Die GEHAG GmbH hatte in den 90iger Jahren geschlossene Immobilienfonds gegründet, an denen sich zahlreiche Anleger aus dem gesamten Bundesgebiert beteiligt haben.  Zweck der Fondsgründung war es, Wohnanlagen - überwiegend im sozialen Wohnungsbau - zu errichten und zu vermieten. Dabei wurden die Mieten teilweise vom Land Berlin - welches mehrheitlich die GEHAG-Anteile hielt -  bezuschusst. Der Zuschuss wurde zunächst für einen Zeitraum von 15 Jahren ab Bezugsfertigkeit bewilligt. Es entsprach der Verwaltungsübung, dass sich hieran regelmäßig eine ebenfalls 15jährige "Anschlussförderung" anschloss. Allerdings beschloss der Berliner Senat im Jahre 2003 vor dem Hintergrund der Finanzlage der Stadt, von der Anschlussförderung für Bauvorhaben abzusehen, bei denen die Förderung nach dem 30.12.2002 endete. Ohne diese Anschlussförderung war aber das Investment in diese Fonds für den durchschnittlichen Anleger uninteressant. Zwar konnte er  weiterhin Steuern sparen, musste aber riskieren, dass der Fonds insolvent wurde und damit das investierte Kapital verloren wäre. Diesem Risiko standen keine adäquaten Gewinnchancen gegenüber. In mehreren Fonds der GEHAG wurde die Anschlussförderung jedoch als gesichert dargestellt.

Nach Verlust seiner Einlage klagte daher ein Anleger und verlangt wegen Prospektmängeln u. a. Ersatz ihrer Einlage und Freistellung von der quotalen Haftung für das von der Gesellschaft aufgenommene Bankdarlehen. Das Kammergericht Berlin erkannte bei den Prospekten mehrerer Fonds einen Prospektfehler, weil die Anschlussförderung als gesichert dargestellt worden sei. Dennoch hat es die Klage abgewiesen, weil es den Fehler nicht als ursächlich für die Beitrittsentscheidung angesehen hat. Der Bundesgerichtshof hat nunmehr mit Urteil vom 22.März 2010 (Akz. II ZR 66/08) dieses sowie 10 weitere Berufungsurteile aufgehoben und die Angelegenheit an das Berufungsgericht zurückgewiesen. Denn die Formulierungen der fraglichen Prospekte zur Anschlussförderung seien tatsächlich fehlerhaft gewesen, da diese den Eindruck einer gesicherten Anschlussförderung vermittelt hätten. Es entspricht der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes, dass eine fehlerhafte Aufklärung nach der Lebenserfahrung ursächlich für die Anlageentscheidung ist. Diese Vermutung kann wiederlegt werden. Da noch Beweise erhoben werden müssen, hat der Bundesgerichtshof die Sache an das Berufungsgericht zurückgewiesen.